Das Superchicken-Problem – wie Sie Teams wirklich erfolgreich machen!

Wirtschaft, Sport, Universitäten und Schulen zelebrieren ihre Superstars. Diese Stars werden definiert über individuelle Leistungen, wie Hochbegabung, Problemlösungskompetenz, verbale Präsenz oder Durchsetzungsfähigkeit. Heutige und zukünftige Probleme sind jedoch zu komplex, um von Individuen gelöst zu werden, sie erfordern Teams. Die Forschung zeigt systematisch, dass die Erfolgskriterien individueller Leistung, nicht mit denen von Teamleistung übereinstimmen und ihnen oft sogar entgegen stehen. Wenn sie die Probleme ihres Unternehmens oder unserer Gesellschaft lösen möchten, müssen Sie anfangen Ihre Selektionskriterien zu ändern.

Die Geschichte der Superchicken

Mir ist vor kurzem eine Geschichte begegnet, eine wahre Geschichte, die mich gefesselt hat und mich

Superchicken verhindern herausragende Teams

Die Suche nach den Superchicken

gedanklich nicht mehr loslässt. Es ist eine kleine Geschichte aus der Forschung der Biologie, die jedes Kind, jeder Manager, jeder Lehrer, jeder Coach und jedes Elternteil kennen sollte. Sie lässt uns darüber nachdenken, wie wir eigentlich unsere Teams zusammensetzen wollen und sollten. Vielleicht ist unsere heutige Gesellschaft hier manchmal auf dem Holzweg. Aber schauen wir uns die Geschichte zunächst an.

William Muir, ein amerikanischer Biologe, hatte die Idee, Hühner zu beobachten, um herauszufinden, wie man Produktivität und Leistungsfähigkeit steigern kann. Die Produktivität von Hühnern ist leicht zu messen, nämlich anhand der Anzahl Eier, die sie legen. Also hat William Muir eine Herde Hühner genommen und sie 6 Generationen in Ruhe gelassen und sich dann angeschaut, wie sich die Produktivität entwickelt hat. Parallel dazu hat er eine zweite Herde beobachtet. Diese bestand allerdings aus einzeln ausgewählten Hühnern, die besonders produktiv waren. Diesen Auswahlprozess wiederholte er in jeder Generation. Er züchtete nur mit den Produktivsten, so dass jedes Mal nur die „Superchicken“ in die Herde kamen.

6 Hühnergenerationen später machte er eine erstaunliche Entdeckung. Im ersten Fall fand er eine gesunde Herde, mit schönen Federn, wohlgenährt, die sehr viel mehr Eier legte als die Ausgangsherde. Wie erging es der zweiten Herde? Hatte er nun die Superherde, die alle anderen Hühnerherden in den Schatten stellte? Von der Superherde lebten noch genau drei Hühner, alle anderen waren tot gepickt worden. Was war passiert? Warum haben die Superchicken versagt? Die Erklärung ist ganz einfach: Die hohe individuelle Produktivität konnten die Hühner nur erreichen, indem sie die anderen Hühner unterdrückten. Die Gruppe zahlt also den Preis für die individuelle Leistung Einzelner.

Unternehmen fokussieren sich auf Superchicken

So manch einem von Ihnen mag diese Geschichte ungewollt vertraut erscheinen und erkennt darin spontan sein Unternehmen, seine Abteilung, sein Land oder vielleicht sein Fußballteam. Wir leben in einer Zeit, die ständig auf der Suche nach den Superchicken zu sein scheint und sie zu ihren Idolen macht. Wir richten unsere Unternehmen, unsere Schulen, unsere Erziehung und unsere Sportteams auf individuellen Wettbewerb aus, um die Superchicken zu finden und zu fördern. Die Superchicken unserer Zeit legen nicht die meisten Eier, sondern haben den höchsten IQ, sind hochbegabt am liebsten in Mathematik. Später generieren sie die höchsten Verkaufszahlen oder die höchsten Kosteneinsparungen, haben das beste Durchsetzungsvermögen und die höchste verbale Präsenz. Also suchen und fördern wir diese Kinder. Anschließend suchen die Universitäten nach ihnen und danach die Unternehmen, der „War for Talent“ ist entbrannt. Dieser Mindset beherrscht die Businesswelt wie kaum ein anderer. Beurteilungssysteme basieren von der Schule bis ins Unternehmen auf kompetitiven, weitgehend individuellen Kennzahlen.

In den letzten Jahrzehnten haben viele Unternehmen, aber auch Bildungseinrichtungen das „Superchicken“-Modell gelebt mit dem Ergebnis, dass wir uns Arbeitsumfelder und Manager geschaffen haben, die uns stressen, unzufrieden und unglücklich machen. Ist Burn-out vielleicht nur das menschliche Äquivalent zu tot oder krank gepickt werden? Wir westlichen Gesellschaften zelebrieren den individuellen Wettbewerb: Besser, höher, weiter sind die Maßstäbe in der Schule, an der Uni und im Berufsleben. Die Individuen werden in ihrem speziellen Talentbereich dadurch sicherlich besser. Aber werden so auch unsere Teams besser, unsere Firmen, unsere Länder, unsere Gesellschaften? Liegen wir womöglich mit unserem heutigen Mindset, die Probleme der Welt durch Herausfiltern der „besten“ Individuen zu lösen, einem Irrglauben auf?

Heutige Probleme erfordern Teamlösungen

Wir leben in einer Welt und Zeit, die die Menschen mit immer komplexeren Problemen konfrontiert. Probleme, die in den seltensten Fällen noch von einzelnen Superbrains gelöst werden können, vielmehr sind es Probleme die Höchstleistungen von Teams erfordern nicht von unabhängigen Individuen. Das heißt, wir leben in einer Welt von Teams und nicht von Individuen, die losgelöst von allen anderen Eier legen können und sollen.

Das Problem ist nun, dass die heute zur Selektion verwendeten Kriterien im Business nicht mit den von der Forschung identifizierten Kriterien für Teamerfolg übereinstimmen. Heute wird in Unternehmen und Unis Ausschau gehalten nach den besten Noten, den besten Verkaufszahlen, der besten Durchsetzungsfähigkeit, der stärksten verbalen Präsenz. All diese Faktoren sind jedoch nicht besonders relevant, falls nicht sogar schädlich, wenn es um Team-Performance geht. Wenn nun aber die meisten unserer Probleme in Teams gelöst werden müssen, haben wir ein Problem. Wir generieren uns Superchicken-Teams, die womöglich sogar schlechter performen als normale Teams.

Verstehen Sie mich nicht falsch, intellektuelle oder mathematische Brillanz ist fantastisch, sie sollte jedoch nicht das alleinige Kriterium sein und nicht anderen Talenten gegenüber so unreflektiert bevorzugt werden.

Team-Performance erfordert andere Fähigkeiten

Wonach sollten wir dann aber wirklich Ausschau halten, wenn wir Team-Performance optimieren wollen? Alex Pentland vom MIT hat darauf eine Antwort. Er hat hunderte Freiwillige in Teams eingeteilt und sie komplexe Probleme lösen lassen. Wie erwartet war die Team-Performance extrem unterschiedlich. Was machte aber nun den Unterschied? Welche Teams waren am erfolgreichsten? Weder die höchste individuelle Intelligenz noch die höchste Gesamtintelligenz des Teams waren relevant. Entscheidend waren drei Faktoren:

  1. Die Höhe der „Social Sensitivity“ , was vereinfacht Empathie ist.
  2. Eine ungefähr gleiche Zeitverteilung in der Diskussion – d.h. keiner dominiert und keiner ist Trittbrettfahrer in der Diskussion.
  3. Mehr Frauen – natürlich gefällt mir diese Resultat allerdings ist bei diesem Ergebnis nicht klar, ob der Grund darin liegt, das Frauen typischerweise ein besseres Ergebnis bei Empathie Tests haben, man also in Wirklichkeit wieder Social Sensitivity gemessen hat, oder ob es daran liegt, dass Frauen einfach zu mehr Diversity führen.

Mein Fokus heute liegt auf den ersten beiden Punkten. Wie wichtig  Diversity ist schauen wir uns in einem der nächsten Blogs an. Margaret Hefferman in ihrem TED Talk fasst die ersten beiden Faktoren zusammen zu „Helpfulness“.  Ein toller Begriff, weil er direkt zum Herzen dieser formal-wissenschaftlichen Begriffe durchdringt. Genau darum geht es: Lebt ein Team eine Kultur der „Helpfulness“? Unterstützen sie sich, kommunizieren sie, kennen sie die Probleme des anderen, geben sie ihr Wissen weiter, verteilen sie Wissen, vernetzen sie Wissen? All das ist erforderlich um echte Teamperformance  im Sinne von 1+1=3 zu ermöglichen. Da nutzt es wenig den höchsten IQ im Team zu haben, denn er wird nicht reichen, um das Problem alleine zu lösen. Alle Teammitglieder müssen an Bord sein, müssen in die Diskussionen einbezogen und wertgeschätzt werden, um wirkliche Teamperformance zu ermöglichen.

Die Kommunikationskultur eines Teams ist entscheidend

Alex Pentland und sein Team vom MIT haben in den letzten Jahren ihr Experiment detailliert. Sie haben ein Gerät entwickelt, dass das Kommunikationsverhalten in Teams aufzeichnet mit einer unvorstellbaren Datenmenge. Es wird aufgezeichnet, wer mit wem kommuniziert, in welcher Form, mit welcher Stimmlage, Körpersprache etc. Nicht aufgezeichnet wird der Inhalt, wir wissen also nicht worüber die Teams gesprochen haben, wir wissen nur mit wem, wie lange, in welcher Form. Das absolut erstaunliche Ergebnis dieser Forschung ist, dass die erhobenen Kommunikationsdaten über 50% der Performance-Unterschiede zwischen Teams erklären. Mit anderen Worten: Wie viel ich, mit wem, in welchem Stil kommuniziere, ist wichtiger als alle anderen Faktoren, wie Intelligenz, Expertise, Teamzusammensetzung etc. zusammen. D.h. das mit Abstand wichtigste Erfolgskriterium von Teams ist die Kommunikationskultur! Und genau das ist Helpfulness!

Haben Sie sich schon mal angeschaut, wie sie und ihre Teams kommunizieren, wie helpful Sie sind? Oder machen sie sich immer noch Gedanken darüber, ob Sie wirklich die richtige Expertise im Team haben?

Die Zusammenstellung heutiger Teams nutzt die falschen Kriterien

Ein Blick auf meine Kunden zeigt mir, dass die meisten ihre Energie sowohl bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter als auch bei der Zusammensetzung ihrer Teams falsch einsetzen. Ich habe viel mit Unternehmensberatungen zu tun. Meine Kunden sind immer wieder damit konfrontiert, dass ihre Auftraggeber CVs ihrer Mitarbeiter einfordern, um sich ihre Teams selbst zusammenzustellen. Wonach halten sie Ausschau? Wohl kaum nach Kommunikationskultur und Helpfulness. Viel mehr sucht man nach der richtigen Expertise, die solls nämlich richten. Man sucht die Superchicken und wundert sich, dass die Teams nicht performen. Der Team Kick-off besteht dann aus einer inhaltlichen Definition des Projektauftrags, dem Aufsetzen formaler Prozesse, eines Projektplans sowie der Definition der Rollen. Steht ja schließlich auch so geschrieben in jedem Projektmanagement Handbuch. Nur leider helfen all diese Punkte wenig bis gar nicht, die Kommunikationskultur bzw. die Helpfulness in einem Team zu steigern. Der Team Kick-off muss vor allem die Kommunikationskultur die Helpfulness verbessern, wenn er die Team Performance steigern soll.

Wann fangen auch Sie mit ihrem Team an, über die entscheidenden Dinge nachzudenken?

In Kürze wird es auch zu diesem Thema eine Challenge und ein Webinar geben. Abonnieren Sie den „Leadership Newsletter“ von currytalks.com und Sie sein immer informiert, wann neue Angebote starten.

 

 

 

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