Neugier statt Gewissheit – Mindset für bessere Entscheidungen

Entscheidungen werden oft auf Basis falscher Gewissheit getroffen. Auf der Gewissheit, die Kompetenz zu haben oder basierend auf der Überzeugung, dass dies die Aufgabe der hierarchischen Position sei. Beides sind Fehlannahmen mit fatalen Folgen für die Qualität von Entscheidungen und Zusammenarbeit. Mehr Neugier würde das ändern.

Das Problem mit der Gewissheit

Je erfahrener und erfolgreicher wir sind, desto größer scheint die Gefahr: Wir glauben die Antwort zu wissen und verlieren die Neugier, sie zu erforschen. Denn schließlich haben wir 20+ Jahre Erfahrung in der Industrie, dem Business – natürlich kennen wir die Antwort – „been there, done that“.

Wahre Neugier, basierend auf dem Interesse, etwas verstehen zu wollen oder eine andere Sichtweise nachvollziehen zu können, stärkt die Performance und die Zusammenarbeit dramatisch.

Aber es sind nicht nur die Erfahrenen, die in diese Falle laufen. Auch junge Menschen kommunizieren häufig starke Überzeugungen, anstatt zuzuhören und neugierig zu sein. Auch sie präsentieren ihr Wissen bereits als unumstößliches Faktum. Sie glauben dabei häufig auf diese Weise Selbstbewusstsein und Kompetenz übermitteln zu können. Manchmal tappen aber auch sie schon in die Falle des Expertentums. Ein Beispiel sind die „Digital Natives“. Diese Generation neigt dazu, sich sehr schnell zum Experten zu erheben für soziale Medien, Digitalisierung uvm.

Was auch immer der Grund ist, warum wir voll Überzeugung, unsere Sicht der Dinge vertreten, diese Gewissheit, Recht zu haben, hindert uns daran, die beste Vorgehensweise zu identifizieren, zu lernen und die Teamarbeit zu stärken.

Gewissheit gibt es immer seltener

Die Komplexität und Veränderungsgeschwindigkeit von Themen hat sich in den letzten Jahren dramatisch erhöht. Was gestern richtig war, mag heute schon wieder anders aussehen. Die Erfahrungen von vor 5 Jahren sind heute veraltet. Neues Wissen basierend auf aktueller Forschung entsteht im Minutentakt. Wie können wir uns da anmaßen, die einzige richtige Antwort zu kennen? Genau diese Anmaßung ist das Problem vieler heutiger Firmenkulturen. Chefs und Manager, die ihre Aufgabe darin sehen, sich Themen präsentieren zu lassen, um dann über richtig oder falsch Entscheidungen zu treffen. Aber auch Mitarbeiter, die keine Entscheidungsverantwortung übernehmen wollen und diese zum Chef schieben.

Neugier ermöglicht bessere Entscheidungen

Entscheidungen wären qualitativ um ein Vielfaches besser, wenn sie auf der Basis transparenter, offener Dialoge und dem ehrlichen Austausch von Wissen und Einschätzungen, der inhaltlich relevanten Personen basieren würden. Der alles entscheidende Mindset dafür ist die Neugier. Ohne Neugier lernen wir nicht vom anderen und seinem Wissen und können es entsprechend nicht mit unserem Wissen vernetzen.

Hierarchie ist kein gutes Entscheidungskriterium

Anstatt neugierig zu sein und verstehen zu wollen, wollen wir entscheiden, denn so rechtfertigen wir unsere hierarchische Position – schließlich übernehmen wir Verantwortung. Das ist das heutige Problem von Hierarchie. Hierarchie wurde über viele Jahrzehnte hinweg als Entscheidungsverantwortung definiert. Nun sind wir in einer Zeit angekommen, wo Hierarchie als Entscheidungsgremium überholt zu sein scheint. Zeit Hierarchie zu verändern oder neu zu definieren.

Vernetzung von Wissen und Identifizieren von Biases als Basis von Entscheidungen

Wie aber werden qualitativ hochwertige Entscheidungen getroffen? Wir müssen identifizieren, was die Einflussfaktoren, sind, welche Bedeutung sie haben und wie sie zu bewerten sind. Dafür benötigen wir das gebündelte Wissen von unterschiedlichsten Experten. Experten, die neugierig sind und anderen Experten zuhören, um von ihnen zu lernen und nicht, um mit ihrem Wissen zu glänzen. Und wir müssen die Wirkung von sogenannten „Biases“ (psychologischen Verzerrungen, den wir als Mensch regelmäßig in die Falle gehen) so gut wie möglich umschiffen.

Die Aufgabe eines Chefs bei der Entscheidungsfindung liegt also darin, relevante Personen in einen offenen, neugierigen Dialog zu führen, sie aus der Expertenfalle rauszuholen. Denn es geht um die bestmögliche Einschätzung einer Thematik und darum, mögliche Biases zu identifizieren. Gute Entscheidungen sind heutzutage in den meisten Fällen nur durch Vernetzung von Wissen möglich. Die Aufgabe des Chefs liegt aber nicht darin, die Entscheidung zu treffen.

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch dieser Artikel von McKinsey. Mindsetshift ist eine der Herausforderung bei der Entwicklung von Organisationen, ob im Rahmen der Digitalisierung, New Work oder anderen Veränderungen. Nehmen Sie Kontakt auf, wenn Sie das Thema interessiert.

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